Das Jahr 2022 war für uns als Einrichtung vor allem eines: Aufbruch in neue Zeiten! Wir waren mittendrin an tollen Projekten und neu gewonnenen Kooperationen.
Mit Pia Preu als Nachfolgerin Beate Müllers seit September 2021 und Lucija Marosevic als neue Mitarbeiterin für Projekte im Bereich Demokratiebildung seit April 2022 hat die Einrichtung neue Gesichter bekommen. Wir freuen uns auch darüber, zum einen ältere als auch ganz frische Ehrenamtliche neu im Team dabei zu haben.
 

Teil des Teams im Sommer 2022
Teil des Teams im Winter 2022

Neben den Veranstaltungen und Aktionen stand vor allem auch die Änderung unseres grafischen Images ganz weit oben auf der Agenda, bei dem uns das Team von Bad Wolf Design tatkräftig unterstützt hat. Mit dem neuen Logo ging auch am 22. Dezember die neue Homepage an den Start – schauen Sie unter www.lernortgeschichte.de gerne vorbei! Das Icon des bunten Standort-Sprechsymbols ist seither das Erkennungsmerkmal unserer Einrichtung.

Icon von Lernort Geschichte

Außerdem haben wir mit Studierenden der Hochschule der Medien drei Imagefilme zu unseren Programmen gestaltet. Diese können Sie sich auf unserem Youtube Kanal ansehen: www.youtube.com/@lernortgeschichte896

Zur Förderung von historisch-politischer Bildung für Jugendliche an lokalen Orten werden wir als außerschulische Bildungseinrichtung künftig regelmäßig mit der Alexander-Fleming-Schule und dem Wirtemberg-Gymnasium kooperieren (weitere Infos unter https://lernortgeschichte.de/ueber/kooperationen/). Wir freuen uns, auch im kommenden Jahr gemeinsam Projekte zur Erinnerungskultur und zu Kolonialismus in Stuttgart mit den beiden Schulen durchzuführen!

Und auch unsere Bestandsprogramme bekamen einen neuen Schliff, wie die Workshops Stolpersteine und Propaganda und Ausgrenzung im NS in Kooperation mit dem Stadtarchiv Stuttgart und die Führung zur Reichspogromnacht, welche wir nun teilweise auch in der jüdischen Gemeinde durchführen konnten – herzlichen Dank an Lars Neuberger!

Das Seminar Gedenkorte in Stuttgart in Kooperation mit der Universität Stuttgart fand dieses Jahr zum 4. Mal statt. Daraus resultierte, dass interessierte Studierende mit uns an der von Zeichen der Erinnerung e.V. getragenen Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Deportation der Juden nach Theresienstadt am 21. August beteiligt waren. Das Zeitzeugeninterview mit Garry Fabian wurde von über 500 Besucher:innen verfolgt.
Wir haben uns außerdem sehr gefreut, einen Beitrag zum Gedenktag an die Reichspogromnacht am 9. November mit unserer Ehrenamtlichen Mia Paulus und Alon Bindes von der jüdischen Studierendenunion Württembergs in der Stuttgarter Synagoge leisten zu dürfen.
 
Eines der Highlights dieses Jahr war der Workshop #geschichtenebenan mit Schüler:innen des Wirtemberg-Gymnasiums, dass von Andreas Langen (die arge lola) und Pia Preu durchgeführt sowie von der LpB BW gefördert wurde. Der gegenwärtige Alltag an Orten, die an Verfolgung und Deportation der jüdischen Menschen erinnert, wurde dabei fotografiert und erst durch die eigens entworfenen Texte erklärt. Die Ergebnisse können Sie sich unter www.instagram.com/geschichtenebenan ansehen.

Im Vorfeld wurde Pia Preu von Markus Speidel, Leiter des Museums für Alltagskultur, für den Podcast Inside Alltag zur Frage nach der Arbeit mit Jugendlichen im Bereich Erinnerungskultur interviewt. Die Folge können Sie sich hier anhören: https://alltagskultur.podigee.io/5-preu.

Im Juli organisierte Lernort Geschichte mit Odile Néri-Kaiser von Ars Narrandi e.V., dem Welthaus e.V., der Stiftung Geißstraße 7, Banu Pekol und Dr. Annegret Warth drei Workshoptage zum Projekt If Walls Could Talk – Wenn Wände sprechen könnten. Es ist unser erstes Projekt, dass dazu einlud, dass Jugendliche eigene Geschichten an historischen Orten erzählen – und nicht umgekehrt. Erst zur Ausstellung im Oktober lernten die Jugendlichen die „tatsächliche“ Geschichte der Orte kennen. Sie ist seitdem öffentlich im Jugendhaus Mitte und in der Akademie für Kommunikation ausgestellt und auf Instagram unter #ifwallscouldtalk22 einsehbar – gerne schicken wir Ihnen auch ein Postkartenset der Folien zu. Mit dabei waren Schüler:innen der Alexander-Fleming-Schule, der Akademie für Kommunikation und eine VKL Klasse der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule.

Logo des Projekts If Walls Could Talk

Ein weiteres Highlight war die Filmvorführung zu Der Passfälscher im Oktober. Über 170 Schüler:innen der Alexander-Fleming-Schule, der Hermann-Hesse-Realschule und der Eduard-Breuninger-Schule konnten im anschließenden Gespräch mit der Regisseurin Maggie Peren und dem Enkel des Passfälschers Joscha Schönhaus ihre Fragen rund um Widerstand und die Filmproduktion stellen. Moderiert wurde das Gespräch von Pia Preu.

Ebenfalls war Lernort Geschichte an drei Terminen zu den Stuttgarter Präventionsgesprächen in Kooperation mit Team Mex und dem Hospitalhof beteiligt. Die Mutterschaftsvertretung endete mit dem Vortrag zum Thema „Gespaltene ‚Wiedervereinigung‘ – kann nationale Geschichte pluralistisch sein?“ mit Peggy Piesche und Dan Thy Nguyen, Mitglieder der Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD)

Doch dem nicht genug. Als außerschulische Bildungseinrichtung möchten wir für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ihre soziale Teilhabe in unserer Demokratie sichtbar und erlebbar machen. Vor diesem Hintergrund war Lernort Geschichte gemeinsam mit Ehrenamtlichen an mehreren Aktionstagen beteiligt. Dazu zählte etwa MeinSchlossplatz auf dem Kleinen Schlossplatz: Im Rahmen dessen schlossen sich Lernort Geschichte und Mitmachen Ehrensache zusammen und integrierten erstmals das Demokratie Quiz in ihre Arbeit. Zu Aktionstagen rückten auch Mädchen* und junge Frauen* in den städtischen und gesellschaftlichen Fokus. 


Mädchen*aktionstag bei MeinSchlossplatz im April 2022

Mit dem Summer Vibes Jugendfestival auf dem Berger Festplatz und dem stjg-Aktionstag Vielfalt spielerisch erleben im Jugendhaus Wangen endete die erste Phase unserer Aktionen im öffentlichen Raum. Im Oktober waren wir beim Weltmädchen*Tag auf dem Marktplatz, zu dem auch die Landtagspräsidentin Muhterem Aras eine inspirierende Rede gehalten hat und zum Girls*Day im Jugendhaus Heslach mit dabei. Hier konnten sich Mädchen* und junge Frauen* vom Demokratie Quiz bis hin zum Boxen austauschen und ausprobieren. 

Neben externen Veranstaltungen und Vorträgen setzten wir gemeinsam mit neuen Kooperationsparter:innen einige Fortbildungen um. So waren wir im Mai Teil der zweitägigen Fortbildung „Orte des Erinnerns an die Shoah in Stuttgart und Einführung in zeitgenössische Debatten der Erinnerungskultur in Deutschland“ mit Schalom und Salam und Yadbe_Yad. Außerdem sprachen wir mit der stjg-internen Fachberaterin für Kinder- und Jugendschutz Anja Stock-Hüttl über das komplexe und politisch aktuelle Thema „Mit Kindern über Krieg sprechen“. Gemeinsam mit der KiGA, dem Evangelischem Landesjugendpfarramt und dem Evangelischem Pfarramt für das Gespräch Christen und Juden veranstalten wir im September eine Fortbildung zu „Sekundärem Antisemitismus“ sowie mit dem Jugendhaus Heslach und stjg-Mitarbeitenden ein Anti-Bias-Training mit der Trainerin Inna Zeitler.

Quararo
Quararo Schulung im September 2022

Besonders für unser Team und neue Kooperationspartner:innen war die Schulung zum Demokratiespiel Quararo. Schon im April gelang es uns mit dem Demokratie Quiz und der Raylle die ersten eigens konzipierten Spiele zu Themen der Demokratiebildung einzuführen. Um die Angebote noch vielseitiger zu machen, führten wir außerdem das rassismuskritische Workshop-Spiel Macht und Medien und Der Tugendvogel ein, der als „kleiner Bruder“ von Quararo gilt. Mit Tanja El Ghadouini von der RAA Berlin und 12 weiteren Teilnehmenden – darunter auch Yadbe_Yad, Schalom und Salom, Vatan Ukaj von Wertansicht und Ehrenamtlichen von Lernort Geschichte – gelang uns ein erfolgreicher und Teamstärkender Schulungstag.

Für unsere Mitarbeiter:innen gab es neben den Fortbildungs- und Aktionstagen auch zwei Exkursionen, zu denen wir als Team wachsen konnten. Wir besuchten im März die Foto-Ausstellung Nebenan. Die Nachbarschaft der Stammlager Auschwitz I-III im Museum der Alltagskultur, zusammen mit Andreas Langen, einem der Fotografen. Im September ging es dann nach Tübingen zu unseren Kolleg:innen von der Geschichtswerkstatt Tübingen. Im Rahmen dessen konnten wir sowohl etwas über die jüdische Geschichte als auch den Nationalsozialismus und die deutsche Erinnerungskultur in Tübingen in Erfahrung bringen. 

Wir freuen uns auf ein ebenso spannendes Jahr 2023 mit vielen schönen Projekten und Begegnungen und wünschen Ihnen und Ihrer Familie eine gute und erholsame Weihnachtszeit.

Ihr Lernort Geschichte Team