Geschichte

1952 öffnete das erste Jugendhaus in Stuttgart seine Türen. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass im kriegszerstörten Stuttgart dringend ein Ort der Begegnung für Jugendliche benötigt wurde, nicht zuletzt um den noch immer vorhandenen nationalsozialistischen Tendenzen entgegen zu wirken.

Die Stuttgarter Jugendhäusern stellten sich dieser schwierigen Herausforderung und unterstützten in den folgenden Jahren die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Massenverbrechen und die Aufarbeitung der Vergangenheit. Die Herangehensweisen waren dabei nicht immer die gleichen, jede Zeit erforderte ihre eigenen Maßnahmen.

Der Frage, welchen Aufgaben sich die Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft (stjg) zur Erinnerung und Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte im 21. Jahrhundert stellen muss, um den Anforderungen des erinnerungspolitischen Diskurses wie der historisch-politischen Bildungsarbeit gerecht zu werden, begegnet die stjg mit der Etablierung von Lernort Geschichte.

Lernort Geschichte wurde 2006/2007 von Beate Müller und Melanie Moll als Projekt „lernort gedenkstätte“ mit Mitteln des Bundesprogramms „Vielfalt tut gut“ aufgebaut. Die pädagogischen Konzepte wurden zusammen mit Fachkräften aus Wissenschaft und Forschung, mit der Fachdidaktik aus der Gedenkstättenarbeit und anderen außerschulischen Bildungseinrichtungen entwickelt. Darüber hinaus wurden von Beginn an Jugendliche in den Entwicklungsprozess mit eingebunden.

Aufgrund von Erweiterungen im Programm benannte sich das Projekt 2016 in „Lernort Geschichte“ um. Seit 2021 ist Lernort Geschichte eine Einrichtung der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft. Beate Müller wurde 2021 in den Ruhestand verabschiedet und übergab die Leitung an Pia Preu. Seit 2023 gehören zu den weiteren Themen, für die Lernort Geschichte Projekte und Workshops organisiert, der „Kolonialismus in Stuttgart“ sowie gegenwärtige Themen der Erinnerungskultur und Demokratiebildung, wie Partizipation, Empowerment und Mädchen*arbeit.

Von 2007 bis Ende 2022 konnten über 55.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die Programme von Lernort Geschichte besuchen oder aktiv an ihnen mitwirken.