Führungen und Workshops

Wir bieten durch Führungen und Workshops spannende Möglichkeiten zur historisch-politischen Bildung über die Geschichte des 20. Jahrhunderts für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Führung

Führung zu den Deportationen aus Stuttgart

Führung

Koloniale Spurensuche in Stuttgart

Workshop

Propaganda und Ausgrenzung im Nationalsozialismus - der Stuttgarter "Judenladen"

Actionbound

Stuttgart Tour in einfacher Sprache

Stadtrundgang

Rundgang zum Thema Gastarbeiter

Zum jüdischen Displaced Persons Zentrum in der Stuttgarter Reinsburgstraße und die tödliche Razzia am 29. März 1946

Der Fall Shmuel Dancyger Shmuel Dancyger hat das Ghetto in Radom, hat Auschwitz und den Todesmarsch nach Mauthausen überlebt. Befreit, in einem Sanatorium in Paris erfährt er, dass es in Stuttgart ein Displaced Persons Zentrum gibt, mit vielen Überlebenden aus seiner Heimatstadt Radom. Er macht sich auf den Weg und das Wunder geschieht. In der Reinsburgstraße 197 B kann er seine Frau Regina, die Tochter Yaffa und den Sohn Marek in die Arme schließen. Auch sie haben Auschwitz überlebt.

Wenig später, am 29. März 1946, führt die Stuttgarter Polizei eine Razzia wegen Schwarzmarktgeschäften in dem DPZentrum durch. Der Einsatz eskaliert, Shmuel Dancyger wird durch einen Kopfschuss aus einer Polizeipistole ums Leben gebracht. Die Fotoausstellung geht den Motiven nach und führt auf die Spur des mutmaßlichen Todesschützen.

Fotos vom 29. März 1946 aus der Stuttgarter Reinsburgstraße befinden sich in Archiven in Israel, Amerika und Deutschland und werden hier erstmals gezeigt. Der Fall des erschossenen Auschwitz-Überlebenden Shmuel Dancyger in Stuttgart machte damals weltweit Schlagzeilen. Überraschend viele Fotos dokumentieren aber auch den Alltag der Überlebenden, die im Stuttgarter Westen zwischen 1945 und 1949 eine Art jüdisches Shtetl wiederaufleben ließen. Die Fotoausstellung zeigt drei Phasen der jüdischen Displaced Persons dieser Zeit: Ankunft und Alltag der KZler, wie sie sich selbst nannten, die tödliche Razzia, sowie die darauffolgenden Proteste, und, nach Jahren des unerträglichen Wartens, schließlich die Ausreise. Denn die jüdischen Überlebenden saßen hier fest, ausgerechnet im Land der Täter. Ihr zu Hause war ihnen genommen, Länder wie Amerika oder Kanada hatten strikte Einwanderungsquoten und der Staat Israel existierte noch nicht.

Zudem wird in einer digitalisierten Zeitreise die Reinsburgstraße von 1946 erfahrbar gemacht. Das Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart bietet dazu virtuelle Rundgänge.

Brunch-Gespräch mit Adam Klein – zur jüdischen Identität und was die eigene Familiengeschichte damit zu tun hat

Sonntag, 12. April 2026, 13:00 – 14:00 Uhr

Im Frühjahr 2024 reiste Adam Klein gemeinsam mit drei Generationen seiner Familie nach Stuttgart und durch Württemberg, um den Lebenswegen seiner Urgroßeltern nachzuspüren. Dabei recherchierte er in Archiven und befragte Familienmitglieder nach ihren Erinnerungen. In dem Essay für seine Matura verbindet er diese Spurensuche mit persönlichen Reflexionen über Identität und Zugehörigkeit. Gemeinsam mit Pia Preu (Lernort Geschichte) spricht er über Identitätsfragen, Familiengeschichte und das Gefühl von Heimat. Für Snacks und Getränke ist gesorgt.

In Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Stuttgart.

Öffentliche Führungen durch die Ausstellung

Sonntag, 12.04.2026, 14 Uhr / Mittwoch, 29.04.2026, 18:30 Uhr

Die Führungen geben einen vertiefenden Einblick in die Fotoausstellung. Von dort gehen sie zur Polizeistation, von der aus die Razzia damals gestartet ist, dem heutigen „Hotel Silber“. Der Abschluss ist ein Gang durch das damalige jüdische DP-Camp in der Reinsburgstraße.

Dauer: ca. 2 Stunden

„Sechs Millionen. Und Einer.“ Dokumentarfilm von Tina Fuchs

Mittwoch, 15.04. und 29.04.2026, 18 Uhr / Sonntag, 19.04.2026 und 03.05.2026 (Finissage), 16 Uhr / Mittwoch, 22.04.2026, 18 Uhr, Atelier am Bollwerk (Extra Vorführung)

Der bisher nie auf Deutsch gezeigte Film über die Suche nach dem Todesschützen von Shmuel Dancyger. Mit anschließender Diskussion.

Fast 80 Jahre ist es her, da wurde sein Großvater Shmuel Dancyger, Überlebender von Auschwitz, in Stuttgart erschossen. Der Fall wurde nie aufgeklärt. Howard, sein Enkel aus Kanada, beginnt die Suche nach dem Täter und wird dabei von der jungen Historikerin Josefine Geib unterstützt. Sie ist genau da aufgewachsen, wo Samuel Danziger durch einen Kopfschuss das Leben genommen worden war. Howard und Josefine stoßen bei ihren Recherchen auf den ungebrochenen Antisemitismus der Nachkriegszeit. Sie stellen fest, dass der erste erschossene Jude nach dem Zweiten Weltkrieg verschwiegen werden sollte. Denn der Name des Täters steht in den Akten – unentdeckt bis heute.

„…oft der Wahrheit nicht gänzlich entsprechend…“ Die tödliche Razzia vom 29. März 1946 in Stuttgart: Die Berichterstattung und die Folgen

21. April 2026, 18:30 – 20:30 Uhr

Die tödliche Razzia damals sorgte weltweit für Schlagzeilen. Die New York Times, die Stuttgarter Zeitung und die jüdische DP-Zeitung „Oyf de Fry“ berichteten höchst unterschiedlich. Die Erschießung blieb folgenlos, der Täter wurde nie ermittelt. Welche Folgen haben Unwahrheit und Straflosigkeit? Was hat die Razzia von 1946 mit uns heute zu tun?

Diskussion mit Christine Fischer (Intendantin von Musik der Jahrhunderte), Angelika Vogt (Leiterin Jüdisches Bildungswerk Württemberg) und Hans D. Christ (Co-Direktor Württembergischer Kunstverein).

Lesung mit Sandro Balk, Julia Mainusch, Fiona Haselgruber, Studierende des BA Sprechkunst/Sprecherziehung und des MA Rhetorik an der HMDK Stuttgart im Institut Sprechkunst und Kommunikationspädagogik aus den Klassen von Prof. Michael Speer und Frederike Wiechmann.

Was hat die Geschichte von Shmuel Dancyger mit uns heute zu tun?

22. April 2026, 18:00 – 20:00 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung „Der Fall Shmuel Dancyger“ laden wir zu einem offenen Austausch ein. Gemeinsam wollen wir darüber sprechen, was dieser Fall über Gewalt, Erinnerung und unsere Gegenwart erzählt – und welche Fragen er an uns stellt. Dabei setzen wir die Objekte der Ausstellung in den Kontext unserer Bezüge. Komm vorbei, bring deine Perspektive mit und diskutiere mit anderen jungen Menschen in einem Braver Space über Deine Gedanken und Fragen. Für Fingerfood und Getränke ist gesorgt.

Der Austausch wird begleitet von Veronica Sartore (Projektkoordinatorin des jüdisch-muslimischen Bildungsprojekts Yad be Yad, Kubus e.V.), Bahaa Ziadah (arabische Sprachschule „Sprachgarten“) und Pia Preu (Leitung Lernort Geschichte, Stuttgarter Jugendhaus gGmbH, und u.a. Produktion der Ausstellung).

Die Veranstaltung wird gefördert vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Mitteln, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat.

Projekttag für Schulklassen

Montag, 06. 04. – Sonntag, 03.05.2026

Im Zentrum steht die Razzia und die Tötung des Auschwitzüberlebenden Shmuel Dancyger sowie die Geschichte der sogenannten Displaced Persons (DPs) in Stuttgart – ein wenig bekannter Teil unserer Nachkriegsgeschichte. Das Programm verbindet Ausstellung, Täter- und Gedenkort: Nach einer Einführung und Begehung der multimedialen Ausstellung im Württembergischen Kunstverein besucht die Gruppe das Hotel Silber, den Ort, an dem die damalige Kriminalpolizei die Razzia plante, und schließlich die 2025 eingeweihte Gedenkstätte am Ort der Ereignisse in der Reinsburgstraße. Die Wege sind vorbereitet, alle Stationen werden durchgehend begleitet und pädagogisch vermittelt.

Startpunkt: Württembergischer Kunstverein Stuttgart (WKV) / Dauer: ca. 3 Stunden / Kosten: Die Projekttage werden von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert und sind kostenlos. / Zielgruppe: Gruppen und Schulklassen ab der 10. Klasse (ergänzend zum Geschichts-Unterricht) / Anmeldungen für Dienstag–Freitag: lernort-geschichte@stjg.de unter Angabe der Gruppengröße und Klassenstufe.

VERGANGENE VERANSTALTUNGEN

„Stumme Zeugen“ Ein Gespräch

Sonntag, 29.03.2026, 11 Uhr

Es existieren überraschend viele Fotografien über das jüdische Leben im Stuttgarter DP Zentrum. Wie als Beweis, dass Hitler doch nicht alle Jüdinnen und Juden hat umbringen können. Bernhard Ginsburg war der Fotograf im Stuttgarter DP-Camp. Panik dokumentieren die während der Razzia geschossenen Bilder, bei der Shmuel Dancyger erschossen wurde. Aubrey Pomerance, Archivar am Jüdischen Museum Berlin, befragt Elliot Ginsburg, den Sohn des Fotografen, und Howard Dancyger, den Enkel von Shmuel Dancyger. Über Leben, Überleben, Zeugnis ablegen.

Das Gespräch findet auf Englisch statt.